Architektur

Ein Projekt, das sich in die städtische Entwicklungspolitik einfügt

 

Lüttich hat beschlossen, seine weitere Entwicklung auf die eigene Realität und das eigene kulturellen Erbe zu stützen. Völlig logisch erscheint vor diesem Hintergrund Wahl eines besonders symbolträchtigen Ortes zur Ausrichtung hochkarätiger Ausstellungen, die an ein breites und neues Publikum aus dem weitläufigen Einzugsgebiet mit 100 Millionen Menschen aus 6 verschiedenen Ländern in einem Radius von 400 km gerichtet sind.

Zur Schaffung dieser wichtigen Kulturstätte wurde der Parc de la Boverie auserkoren. Im Herzen der neuen städtischen Achse, die den Hochgeschwindigkeitsbahnhof mit der Médiacité verbindet, ist dieser strategisch besonders günstig gelegen. Auf einer Insel zwischen Maas und „Dérivation“ bildet der Park eine einzigartige grüne Oase. Da sich genau an diesem Ort auch der wichtigste Pavillon der Weltausstellung 1905 befand, handelt es sich um einen zugleich historischen und symbolträchtigen Bereich der Stadt.

© Foto - Marc Verpoorten - Januar 2016

LA BOVERIE, ein Architekturprojekt von  Rudy RICCIOTTI in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro PhD

 

Den treibenden Kräften hinter der Stadtentwicklung ging es um mehr als den bloßen Bau eines Museums: Das Ziel bestand vielmehr darin, über eine kreative Architektur und eine starke visuelle Identifizierung die neu entstandene Dynamik zu erhalten und Lüttich im überregionalen Umfeld völlig neu aufzustellen. Das Projekt sollte Aspekte der Innovation mit der Erhaltung des kulturgeschichtlichen Erbes und dem Anliegen einer „nachhaltigen Architektur“ vereinbaren.

Am 29. Juni 2009 beschloss der Stadtrat, über ein öffentliches Ausschreibungsverfahren externe Partner zu Rate zu ziehen, um  im Rahmen eines umfassenden Studienauftrages die Möglichkeiten zur Verwirklichung eines „Internationalen Kunst- und Kulturzentrums“ am Standort des Parc de la Boverie zu prüfen.

Daraufhin gingen aus dem In- und Ausland insgesamt 28 Bewerbungen ein. Aus diesen hielt der Auswahlausschuss 5 Vorhaben fest und forderte die Kandidaten zur Einreichung eines vollständigen Angebots hinsichtlich des zukünftigen Bauprojekts und der Innengestaltung des geplanten Gebäudes auf.

Auf der Grundlage eines aus architektonischer Sicht überzeugenden Vorschlags und der nachweislichen Erfahrung mit der Verwirklichung großer Kulturprojekte haben die Lütticher Kommunalbehörden auf Anraten des Auswahlausschusses beschlossen, die Umsetzung des Vorhabens dem französischen Architekten  Rudy RICCIOTTI, in Zusammenarbeit mit der Lütticher Firma pHD anzuvertrauen. Rudy RICCIOTTI, Preisträger 2006 des Grand Prix national de l'Architecture, wurde vor allem durch die seine Museumsprojekte bekannt. Beispiele sind das MUCEM (Museum der Zivilisationen Europas und des Mittelmeerraumes in Marseille, das im Rahmen der Wahl Marseilles zur europäischen Kulturhauptstadt errichtet wurde und seither zu einem Symbol der Wiederbelebung der Stadt geworden ist, sowie die Abteilung für islamische Kunst des Louvre.

© Foto - Marc Verpoorten - Januar 2016

Ein ehrgeiziges Vorhaben zur Wahrung der eigenen Identität

In dem Bestreben, die vorhandene Bausubstanz und auch den Park zu respektieren haben sich die Architekten für einen gemäßigten Eingriff entschieden und dabei dem historischen Charakter des Gebäudes einen zentralen Stellenwert eingeräumt.

Das sichtbarste neue Element besteht in der größtenteils verglasten Erweiterung, die nach Osten hin einen bis zum Ufer der Dérivation reichenden neuen Flügel bildet.

"Meine Wahrnehmung war die, dass der Boverie-Park in Lüttich ein ganz eigenständiges, überaus romantisches Gebiet ausmacht. 
Das Museum gab es schon und ich wollte dieses Gebäude weder malträtieren noch als Geisel nehmen.  Das hatte mit Schamhaftigkeit, mit Takt zu tun – etwa so, wie man einen Vorfahren achtet. Es war mir wichtig, zurückhaltend, diskret und bescheiden zu Werke zu gehen".

RUDY RICCIOTTI

Es handelt sich also um ein innovatives Projekt mit starker visueller Identität, das zugleich jedoch den symbolträchtigen Charakter der vorhandenen Architektur noch hervorhebt.

© Foto - Marc Verpoorten - Januar 2016


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